Grebendorf. Am Sonntagabend sahen sie 2,5 Millionen Menschen im Fernsehen. In der ARD-Produktion „Eichmanns Ende - Liebe, Verrat, Tod“ spielte Cornelia Kempers die Ehefrau des Juden-Deporteurs Adolf Eichmann an der Seite von Herbert Knaup. Cornelia Kempers wuchs in Grebendorf auf, spielte an den großen Schauspielhäusern in Deutschland und kehrt so oft es ihre Zeit erlaubt in ihr Elternhaus nach Grebendorf zurück. Unsere Zeitung sprach mit ihr über den Film, ihr Leben an den deutschen Theatern und ihre Beziehung zum beschaulichen Werratal. In dem Film „Eichmanns Ende“ treten Sie zu Beginn und am Ende wesentlich in Erscheinung. Haben Sie den Film am Sonntag zum ersten Mal in voller Länge gesehen? Cornelia Kempers: Nein, am 13. Juli war in Hamburg eine sogenannte Preview. In einem Kino, mit geladenen Gästen, ganz sowie man sich eine Premiere vorstellt. Wie sind Sie zu der Rolle gekommen? Kempers: Meine Agentin hat mir von dem Casting für den Film erzählt. Sie suchten eine dunkelhaarige mollige Frau als Vera Eichmann. Ich habe den Text bekommen und gelernt, bin dann ganz normal zu der Ausscheidung gegangen. War es einfach, das Casting für sich zu entscheiden? Kempers: Der Regisseur Raymond Ley und ich waren uns auf Anhieb sympathisch. Er war den Schauspielern sehr zugewandt und hat sich auf mich geradezu gestürzt. Als meine Agentin mir erzählte, dass man sich für mich entschieden habe, war ich sehr glücklich. Sie sind eigentlich Theaterschauspielerin. Sind Filme eine nette Abwechselung oder ein zweites Standbein? Kempers: Meine erste Liebe gehört dem Theater. Aber ich würde gerne mehr Filme drehen. Das ist allerdings sehr schwierig, wenn man an einem Theater engagiert ist. Da kommt man nur sehr schwer heraus, um Filme zu drehen. Bei der Eichmann-Produktion lief alles optimal. Ihr erster Film „Anna Göldin - Letzte Hexe“ liegt 20 Jahre zurück. Kempers: Ich wurde erst spät für das Fernsehen entdeckt. In diesem Film spielte ich die Titelrolle. Die Produktion wechselte zwischenzeitlich von Deutschland in die Schweiz. Deswegen blieb der Film in Deutschland leider weitgehend unbeachtet und wird nur gelegentlich auf 3Sat oder Arte gezeigt. Immerhin wurde ich für diesen Film mit dem Hessischen Filmpreis ausgezeichnet. Sie sind im Werratal geboren, aufgewachsen und haben Ihr Abitur abgelegt. Kann man hier eine Leidenschaft zum Schauspiel entwickeln? Kempers: Während meiner Zeit auf der Realschule in Wanfried habe ich für einen Lehrer eine Weihnachtsgeschichte inszeniert und auch eine Rolle übernommen. Später spielte ich dort eine quirlige Dienstmagd in „Der eingebildete Kranke“. In Eschwege habe ich mich zu Abiturzeiten der Laienschauspielgruppe angeschlossen. Wegen Männermangel musste ich immer die Jungsrollen spielen. Wegen dieser Erfahrungen haben Sie sich für eine professionelle Ausbildung entschieden? Kempers: Meine damalige Jugendliebe hat mir von dem Studiengang Theaterwissenschaften erzählt. Ich habe in Berlin ein Studium begonnen, es war mir aber zu theoretisch. Ich wollte lieber auf die andere, die praktische Seite. Nach einer heftigen Aufnahmeprüfung wurde ich an der Hochschule der Künste aufgenommen. Sie leben in Hamburg, kommen aber gerne nach Grebendorf zurück? Kempers: Ich bin so oft wie möglich hier. Ich komme jetzt häppchenweise zurück. Aus dem Mietzekatzen-Alter bin ich heraus. Jetzt im Sommer, wenn die Theater pausieren, habe ich hier meinen Lebensmittelpunkt. Früher habe ich regelmäßig meine Mutter besucht. Nachdem sie vor neun Jahren gestorben ist, habe ich eine Zeitlang sogar komplett hier gewohnt. Das gestaltete sich auf die Dauer aber zu schwierig. Was schätzen Sie am Werratal? Kempers: Hier ist es so schön, dass man es kaum fassen kann. (Mittwoch, 28. Juli 2010)